Vorstellung Hoppin‘ John
Hoppin‘ John stammt aus dem Lowcountry, dem flachen Küstenland von South Carolina und Georgia. Dort wurde jahrhundertelang Reis angebaut, und dort kochte man Augenbohnen, auf Englisch black-eyed peas, mit Reis und Schweinefleisch zusammen. Die Bohnen sind cremeweiß mit einem schwarzen Fleck und schmecken mild, fast nussig. Speck oder ein geräuchertes Eisbein geben dem Topf seinen Rauchgeschmack. Fertig sieht das Gericht unscheinbar aus, ein bräunlicher Reis mit hellen Bohnen und Zwiebelstücken. Gegessen wird es vor allem am Neujahrstag. Die Bohnen stehen für Münzen, das Blattgemüse daneben für Geldscheine und das Cornbread für Gold. Ein Rest vom 2. Januar heißt in manchen Familien Skippin‘ Jenny und gilt als Zeichen von Sparsamkeit.
Zutatenliste für 1-2 Portionen
- 120 g getrocknete Augenbohnen (Black-eyed Peas) oder 1 Dose Augenbohnen (400 g, abgetropft 240 g)
- 100 g Langkornreis
- 80 g durchwachsener Räucherspeck, gewürfelt
- 1 kleine Zwiebel, fein gewürfelt
- ½ grüne Paprikaschote, gewürfelt
- 1 Stange Staudensellerie, in feinen Scheiben
- 1 Knoblauchzehe, gehackt
- 1 Lorbeerblatt
- ½ TL getrockneter Thymian
- 1 Prise Cayennepfeffer
- 250 ml Hühnerbrühe
- Salz und schwarzer Pfeffer
- 2 Frühlingszwiebeln, in Ringen
- einige Spritzer scharfe Chilisauce zum Servieren
Einkaufen der Zutaten
Augenbohnen bekommen Sie getrocknet im Bioladen, in türkischen Lebensmittelgeschäften (dort als Börülce) und in afrikanischen oder asiatischen Läden. Als Konserve stehen sie in größeren Supermärkten neben den Kidneybohnen. Getrocknete Bohnen sollten aus der aktuellen Ernte stammen, alte Ware bleibt auch nach Stunden hart. Beim Speck lohnt sich ein kräftig geräuchertes Stück vom Metzger. In den USA nimmt man oft eine geräucherte Schweinshaxe, hierzulande passt ein kleines Stück Kasseler oder Eisbein. Als Reis eignet sich gewöhnlicher Langkornreis. Parboiled Reis bleibt körniger.
Vorbereitung des Gerichts
Getrocknete Augenbohnen müssen nicht über Nacht einweichen, sie garen in 40 bis 50 Minuten. Wer sie trotzdem 6 Stunden in kaltem Wasser liegen lässt, spart etwa 15 Minuten Kochzeit. Lesen Sie die Bohnen vorher durch und entfernen Sie Steinchen. Dosenbohnen spülen Sie in einem Sieb ab, bis kein Schaum mehr kommt. Spülen Sie auch den Reis zwei- bis dreimal, bis das Wasser klar bleibt, damit er später nicht klebt. Schneiden Sie Zwiebel, Paprika und Sellerie in gleich kleine Würfel. In Louisiana nennt man diese Mischung Holy Trinity.
Anleitung für die Zubereitung
- Getrocknete Bohnen mit 600 ml Wasser und dem Lorbeerblatt aufkochen und bei kleiner Hitze 40 bis 45 Minuten köcheln lassen, bis sie fast weich sind. Abgießen und 100 ml Kochwasser auffangen, es ersetzt einen Teil der Brühe.
- Den Speck in einem mittelgroßen Topf ohne Fett bei mittlerer Hitze 6 bis 8 Minuten auslassen, bis er knusprig ist.
- Zwiebel, Paprika und Sellerie zugeben und 5 Minuten im Speckfett glasig dünsten. Knoblauch, Thymian und Cayennepfeffer 1 Minute mitrösten.
- Den gewaschenen Reis einrühren und 1 Minute anschwitzen, bis die Körner glasig glänzen.
- Bohnen, Lorbeerblatt und Flüssigkeit zugeben (insgesamt 250 ml, also Brühe oder Brühe mit Kochwasser gemischt). Mit ½ TL Salz und Pfeffer würzen und aufkochen.
- Den Deckel auflegen und alles bei kleinster Hitze 18 Minuten garen, ohne umzurühren.
- Den Topf vom Herd nehmen und 10 Minuten geschlossen ruhen lassen. Danach mit einer Gabel auflockern, das Lorbeerblatt entfernen und abschmecken.
- Mit Frühlingszwiebeln bestreuen und mit Chilisauce servieren.
Zubereitung ohne Gluten / Laktose
Hoppin‘ John ist von Natur aus glutenfrei. Kontrollieren Sie nur die Brühe, denn manche Fertigbrühen enthalten Weizen oder Hefeextrakt aus Gerste. Auch einige scharfe Saucen und Wurstwaren sind mit Stärke gebunden, ein Blick auf die Zutatenliste genügt. Milchprodukte kommen im Rezept nicht vor, das Gericht ist also auch laktosefrei. Wer Cornbread dazu backt, braucht für eine glutenfreie Variante reines Maismehl und ein glutenfreies Backpulver, für die laktosefreie Version laktosefreie Buttermilch.
Tipps für Veganer und Vegetarier
Ohne Speck fehlt vor allem der Rauch. Braten Sie stattdessen 80 g geräucherten Tofu in kleinen Würfeln in 2 EL Öl knusprig und würzen Sie mit 1 TL geräuchertem Paprikapulver. Ein halber Teelöffel Flüssigrauch oder ein Stück getrocknete Chipotle-Chili im Kochwasser bringt zusätzlich Tiefe. Die Hühnerbrühe ersetzen Sie durch kräftige Gemüsebrühe. So ist das Gericht vegan.
Weitere Tipps und Tricks
Der häufigste Fehler ist zu viel Flüssigkeit, dann wird aus Hoppin‘ John ein Reisbrei. Halten Sie sich an die Mengen und heben Sie den Deckel während der Garzeit nicht an. Bohnen, die nach 45 Minuten noch hart sind, waren meist zu alt. Kochen Sie sie dann weiter, bevor der Reis dazukommt. Reste halten sich im Kühlschrank 3 Tage und lassen sich mit einem Schuss Wasser in der Pfanne aufwärmen. Am zweiten Tag schmeckt der Topf kräftiger.
Anpassung vom Rezept an Vorlieben
Mehr Fleisch verträgt das Gericht gut. Ein Stück gekochter Schinken oder geräucherte Wurst in Scheiben, etwa Andouille, macht daraus eine volle Mahlzeit. Wer es scharf mag, gibt eine gehackte Jalapeño zum Gemüse. In manchen Familien kochen Reis und Bohnen getrennt und werden erst auf dem Teller gemischt, dann bleibt der Reis weiß und locker. Eine Variante mit Tomaten aus der Dose erinnert an die kreolische Küche aus New Orleans.
Alternativen zu bestimmten Zutaten
Statt Augenbohnen funktionieren kleine weiße Bohnen oder Wachtelbohnen. Der Geschmack wird etwas neutraler, die Garzeit länger. Fehlt der Staudensellerie, nehmen Sie ein kleines Stück Knollensellerie in feinen Würfeln. Grüne Paprika können Sie durch rote ersetzen, das Gericht wird dann süßer. Statt Räucherspeck passt auch Bacon aus dem Kühlregal oder Kasseler. Den Langkornreis können Sie gegen Naturreis tauschen, rechnen Sie dann 100 ml mehr Flüssigkeit und 40 Minuten Garzeit.
Ideen für passende Getränke
Im Süden der USA trinkt man dazu Sweet Tea, einen stark gesüßten Eistee mit Zitrone. Wer weniger Zucker möchte, nimmt ungesüßten Eistee mit einem Zweig Minze. Eine Zitronenlimonade oder eine Apfelschorle passt ebenso zum rauchigen Speck. Im Winter, also zum eigentlichen Anlass am Neujahrstag, eignet sich auch ein heißer Apfelsaft mit einer Zimtstange.
Vorschläge zur ansprechenden Präsentation
Servieren Sie Hoppin‘ John in tiefen Tellern oder einer großen Schüssel, mit Frühlingszwiebeln bestreut. Daneben gehört eine Portion geschmorter Grünkohl oder Kohlblätter, in den Südstaaten Collard Greens. Ein Stück Cornbread kommt auf den Tellerrand. Die Chilisauce stellt man in der Flasche dazu, jeder würzt selbst nach.
Hintergrundinformationen zur Geschichte
Die Herkunft des Namens ist nicht geklärt. Es gibt mehrere Erklärungen, belegen lässt sich keine. Augenbohnen kamen mit dem Sklavenhandel aus Westafrika nach Amerika, und versklavte Menschen bauten im Lowcountry den Reis an. Viele Historiker sehen das Gericht deshalb in der Tradition westafrikanischer Bohnen-Reis-Gerichte wie Thiebou Niebe aus dem Senegal oder Waakye aus Ghana. Schon 1838 erwähnt der Roman Recollections of a Southern Matron einen Hopping John, ein frühes gedrucktes Rezept steht in The Carolina Housewife von Sarah Rutledge aus dem Jahr 1847. Von South Carolina aus verbreitete sich der Brauch, das Gericht zu Neujahr zu essen, über den ganzen Süden. Augenbohnen gibt es auch in Afrika als Eintopf, etwa im Black Eyed Peas Stew aus Sierra Leone.
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Zusammenfassung: Hoppin‘ John
Ein Topf, gut eine Stunde Zeit mit getrockneten Bohnen, knapp 40 Minuten mit Dosenware. Hoppin‘ John braucht wenig Zutaten, schmeckt rauchig und hält lange satt. Auch abseits von Neujahr ist es ein günstiges Alltagsessen für kalte Tage. Mit Grünkohl und Cornbread wird daraus das komplette Südstaatenmenü.
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