Vorstellung Heißwecken
Heißwecken, mundartlich auch Heetwich oder Hedewäggen, sind runde Hefewecken aus Norddeutschland. Der Teig ist mit Milch, Butter und Zucker angesetzt und mit Kardamom gewürzt, manchmal kommen Rosinen dazu. Traditionell isst man sie in der Fastnachtszeit, vor allem in den Tagen vor Aschermittwoch. Dafür halbiert man den Wecken, legt ihn in einen Suppenteller, gießt heiße Milch darüber und gibt Butter, Zucker und Zimt dazu. So entsteht eine Art süße Brotsuppe, weich und warm, die nach Kardamom duftet. Früher aß man sie in diesen Tagen oft zu jeder Mahlzeit. Die gefüllte Variante mit Schlagsahne und Marzipan erinnert an die schwedische Semla.
Zutatenliste für 1-2 Portionen
- 250 g Weizenmehl Type 550
- 15 g frische Hefe (oder 5 g Trockenhefe)
- 125 ml lauwarme Milch
- 35 g Zucker
- 1 Prise Salz
- 1/2 TL gemahlener Kardamom
- 1 Ei (Größe M)
- 40 g weiche Butter
- optional 40 g Rosinen
- 1 Eigelb und 1 EL Milch zum Bestreichen
- 400 ml Milch zum Servieren
- 2 TL Butter, Zucker und Zimt zum Servieren
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Kardamom kaufen Sie am besten als ganze grüne Kapseln und mahlen die Samen selbst im Mörser. Gemahlener Kardamom aus dem Glas verliert schnell an Aroma. Frische Hefe liegt im Kühlregal. Für den Teig eignet sich Mehl Type 550, es gibt luftige Wecken mit fester Kruste. Zum Servieren nehmen Sie Vollmilch mit 3,5 % Fett, mit fettarmer Milch wird die Suppe dünn. In der Fastnachtszeit bieten manche Bäckereien in Hamburg und Schleswig-Holstein die Wecken an, wer keine Zeit zum Backen hat, kann dort nachfragen.
Vorbereitung des Gerichts
Öffnen Sie vier bis fünf Kardamomkapseln, mahlen Sie die Samen fein und sieben Sie die Schalen ab. Nehmen Sie Butter und Ei eine Stunde vorher aus dem Kühlschrank. Rosinen weichen Sie 15 Minuten in warmem Wasser ein und tupfen sie trocken. Legen Sie ein Blech mit Backpapier aus. Das Rezept ergibt sechs Wecken. Für ein ganzes Blech mit zwölf Stück verdoppeln Sie alle Mengen, die Backzeit bleibt gleich.
Anleitung für die Zubereitung
- Lösen Sie die Hefe mit 1 TL Zucker in der lauwarmen Milch auf und lassen Sie die Mischung 10 Minuten stehen.
- Mischen Sie Mehl, restlichen Zucker, Salz und Kardamom, geben Sie Hefemilch und Ei dazu und kneten Sie 5 Minuten.
- Kneten Sie die weiche Butter in Stücken ein und arbeiten Sie den Teig weitere 7 Minuten, bis er glatt und elastisch ist, Rosinen erst ganz am Ende unterkneten.
- Lassen Sie den Teig abgedeckt an einem warmen Ort 60 Minuten gehen, bis er sich verdoppelt hat.
- Teilen Sie ihn in sechs Stücke von etwa 80 g, formen Sie runde Kugeln und setzen Sie sie mit Abstand auf das Blech.
- Lassen Sie die Wecken 30 Minuten gehen und heizen Sie den Ofen auf 200 °C Ober- und Unterhitze vor.
- Bestreichen Sie die Wecken mit verquirltem Eigelb und Milch und backen Sie sie 15 bis 18 Minuten, bis sie goldbraun sind.
- Erhitzen Sie zum Servieren 400 ml Milch, halbieren Sie zwei Wecken, legen Sie sie in tiefe Teller und gießen Sie je 200 ml heiße Milch darüber.
- Geben Sie je 1 TL Butter auf die Wecken und bestreuen Sie sie mit Zucker und Zimt.
Zubereitung ohne Gluten / Laktose
Laktosefrei funktionieren Heißwecken mit laktosefreier Milch und laktosefreier Butter im Teig und auf dem Teller. Glutenfrei ist schwieriger, weil der Wecken in der Milch zusammenhalten soll. Eine glutenfreie Mehlmischung für Hefeteig mit 1 TL Flohsamenschalen ergibt brauchbare Wecken. Sie saugen weniger Milch auf, gießen Sie daher nur 150 ml pro Teller an.
Tipps für Veganer und Vegetarier
Vegetarisch sind die Wecken bereits. Vegan backen Sie mit Haferdrink statt Milch, 40 g Pflanzenmargarine statt Butter und lassen das Ei weg, dafür 2 EL mehr Haferdrink in den Teig. Bestreichen Sie die Oberseite mit Haferdrink und etwas Ahornsirup. Serviert wird in heißem Haferdrink, er passt geschmacklich gut zum Kardamom.
Weitere Tipps und Tricks
Am besten schmecken Heißwecken vom Vortag. Frische Wecken saugen sich zu schnell voll und zerfallen. Der Teig sollte weich sein, aber nicht kleben, geben Sie Mehl nur löffelweise dazu. Gebackene Wecken halten in einem Beutel zwei Tage und lassen sich gut einfrieren. Aufgetaut backen Sie sie 5 Minuten bei 160 °C auf. Die Milch nur erhitzen, nicht kochen, sonst bildet sich eine Haut.
Anpassung vom Rezept an Vorlieben
Die moderne Bäckereivariante schneiden Sie oben als Deckel ab, füllen den Wecken mit 30 g Marzipanrohmasse, mit etwas Milch verrührt, spritzen Schlagsahne darauf und setzen den Deckel wieder auf. Bestäuben Sie ihn mit Puderzucker. Wer es fruchtiger mag, gibt Rosinen oder gewürfeltes Orangeat in den Teig. Kinder mögen statt Zimt auch einen Klecks Vanillesoße.
Alternativen zu bestimmten Zutaten
Statt Kardamom können Sie abgeriebene Zitronenschale nehmen, das Aroma wird dann frischer. Frische Hefe und Trockenhefe lassen sich tauschen, ein halber Würfel entspricht einem Päckchen. Wer keine Zeit zum Backen hat, nimmt fertige Milchbrötchen vom Bäcker. Statt Zucker passt brauner Kandiszucker, der in der heißen Milch langsam schmilzt.
Ideen für passende Getränke
In Norddeutschland trinkt man dazu Ostfriesentee oder einen schwarzen Tee mit Kandis. Kaffee passt ebenso. Für Kinder reicht oft die Milch im Teller, wer mag, stellt eine Kanne heißen Kakao dazu oder einen warmen Apfelsaft.
Vorschläge zur ansprechenden Präsentation
Servieren Sie die Wecken in tiefen, weiten Tellern, die Milch soll den Wecken bis zur Hälfte umgeben. Butter, Zucker und Zimt stellen Sie in kleinen Schälchen auf den Tisch, jeder würzt selbst. Die gefüllte Variante kommt auf einen flachen Kuchenteller, neben Berliner Pfannkuchen, die zur gleichen Jahreszeit gebacken werden.
Hintergrundinformationen zur Geschichte
Heißwecken sind ein altes Fastnachtsgebäck aus dem Gebiet der Hanse. In Hamburg werden sie schon 1447 und 1457 in Küchenbüchern des St. Georgs-Hospitals erwähnt, in Westfalen und Mecklenburg sind sie seit dem 16. Jahrhundert belegt. Vor der vorösterlichen Fastenzeit verbrauchte man Butter, Milch und Eier und aß sich noch einmal satt. Gegessen wurden die Wecken warm, mit heißer Milch und geschmolzener Butter übergossen, gewürzt mit Zimt, Kardamom oder Korinthen. Kaufleute der Hanse brachten den Brauch vermutlich nach Schweden, wo man im 18. Jahrhundert von hetvägg sprach. Daraus wurde die heutige Semla, die dort wie die Kanelbullar oft mit Kardamom gebacken wird.
Weitere Rezeptvorschläge
- Ostfriesischer Rosinenstuten
- Westfälischer Stuten mit Rosinen
- Zimtschnecken
- Hefeklößchen mit Vanillesoße
- Bergische Waffeln
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Zusammenfassung: Heißwecken
Heißwecken sind schlicht, ein Hefebrötchen mit Kardamom, heiße Milch, Butter, Zucker und Zimt. Wer die Wecken einen Tag vorher bäckt, hat am Fastnachtsdienstag in zehn Minuten ein warmes Essen auf dem Tisch, das in Norddeutschland seit Generationen dazugehört.
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